Freitag, 12. September 2008

Schall und Vibrationen gesundheitsschädlich?

Kann Schall und Lärm krank machen? Sind Vibrationen gesundheitsschädlich? Was sind Schall, Lärm und Vibrationen eigentlich?
„Schall“ bezeichnet ein simples physikalisches Phänomen, nämlich die regelmäßige und rasche (20 bis 20.000 Hertz) Druckschwankung in einem diese Druckschwankung elastisch weiterleitenden Medium, in aller Regel der Luft. Als physikalisches Phänomen lässt sich Schall messen – es lassen sich die Frequenz in Hertz und die Amplitude in Millibar (mbar) angeben – und damit auch berechnen und prognostizieren. „Lärm“ hingegen ist kein physikalisches, sondern primär ein psychologisches Phänomen. Nach einer gängigen Definition ist Lärm „unerwünschter, belästigender oder gesundheitsgefährdender Schall“. Es ist unmittelbar ersichtlich, dass wir hier nicht mehr mit physikalischen Messgrößen alleine auskommen.
Wie wird nun „Schall“ zum „Lärm“? Auf welche Weise kann Schall die Gesundheit gefährden? Nach einer didaktisch klaren Einteilung werden Schallwirkungen auf das Ohr (aurale Wirkungen) und andere (extraaurale Wirkungen) unterschieden. Unser Gehörorgan ist dazu gebaut, Schallwellen aufzunehmen und zu verarbeiten. Es fungiert quasi als Mikrophon, als physikalischer Schallsensor. Daher lassen sich Wirkungen auf dieses Organ noch am ehesten anhand einfacher physikalischer Messgrößen vorhersagen.

Was haben Schall und Vibrationen gemeinsam? Bei beiden handelt es sich um Schwingungen, wobei Schall in der Regel durch die Luft weitergeleitet wird, Vibrationen in festen Körpern. Doch auch Schall kann in Festkörpern weitergeleitet werden (Körperschall), wobei die Leitfähigkeit von Körpern bei niedrigeren Frequenzen besser ist. Daher ist vor allem die Grenze zwischen tieffrequentem und Infraschall einerseits und Vibrationen andererseits fließend: Wir selber „spüren“ die satten Bässe der Soundanlage eher durch die Vibration der Bauchdecke als mit dem Trommelfell. Vibrationen haben selbstverständlich nicht nur unmittelbare gesundheitliche Auswirkungen. Wenn sie, wie bei einem Erdbeben, stark genug werden, können sie über Materialschäden bis hin zum Einsturz von Bauwerken zu traumatischen Schäden führen. Bei geringeren Amplituden, die von intakten Staudämmen, Brücken und Häusern in aller Regel toleriert werden, können dennoch biologische Systeme reagieren. In der Arbeitswelt unterscheidet man Ganz- von Teilkörperschwingungen. Bei Ersteren ist der ganze Körper Schwingungen ausgesetzt, beispielsweise bei Benutzung eines Fahrzeuges. Bekannt sind die Erschütterungen, denen man beispielsweise auf einem Traktorsitz ausgesetzt ist, und die durch die monotone Beanspruchung des Stützapparates zu Schäden führen können. Ein anderes Beispiel ist das Schlingern eines Schiffes bei hohem Seegang, wobei die Seekrankheit ein komplexes Geschehen ist, wo psychische Faktoren (Angst) sowie direkte Wirkungen der Schwingungen mit Irritation des Gleichgewichtsorgans und Resonanzschwingungen der Bauchorgane zusammenwirken.

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