Schönheitschirurgische Trends
Am 27. Juni 2008 fand im Krankenhaus Rudolfstiftung in Wien eine Fachveranstaltung zum Thema "Weibliche Genitalkorrekturen - Ästhetische Notwendigkeit oder Verstümmelung?" statt. Damit appellieren die VeranstalterInnen an MedizinerInnen und PsychologInnen, den gesellschaftliche Trend zur Designer-Vagina kritisch zu betrachten. Die Einladung erging durch das Wiener Programm für Frauengesundheit, die Österreichische Gesellschaft für Sexualmedizin (ASSM) und die Österreichische Gesellschaft für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Psychosomatik in der Gynäkologie und Geburtshilfe und dem Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP).
Der weibliche Körper - ein boomender Markt
Seit jeher ist der Frauenkörper in allen Kulturen Ausdruck jeweiliger gesellschaftlicher Trends. Die Ideale eines "schönen und perfekten" Frauenkörpers variieren von der Antike ins 21. Jahrhundert. Besonders in unserer modernen Gesellschaft wird zur Erreichung dieser oft unerreichbaren oder kranken Schönheitsideale vermehrt die Mithilfe der plastischen Chirurgie in Anspruch genommen.
Modetrend Designer-Vagina
Mit dem Trend zu weiblichen Genitalkorrekturen, der Designer-Vagina, greift eine Modebewegung von den USA auf Europa über, die ihren Patientinnen Jugendlichkeit, gesteigertes Selbstwertgefühl und eine erfüllte Sexualität durch operative Eingriffe verspricht. Dabei werden Verkleinerungen oder Unterfütterungen der Schamlippen, Modifikationen der Klitoris oder Verengungen der Vagina durchgeführt.Durch eine medizinische Indikation ist der derzeitige Boom der Operationen an weiblichen Genitalien allerdings nur in Ausnahmesituationen zu erklären. Vielmehr steht dahinter die Verunsicherung der Frauen über die naturgegebene Bandbreite des weiblichen Genitales und ein damit einhergehender Druck - von Gesellschaft, Medien und Lebenspartnern initiiert.
Mögliche Konsequenzen für die Sexualität
Dabei wird nicht erwähnt, dass jeder chirurgische Eingriff im Genitalbereich auch das Risiko birgt, die Sexualität stark zu beeinträchtigen. "Als plastische Chirurgin stehe ich Korrekturen im Genitalbereich sehr kritisch gegenüber, da sicher die Nachteile solcher Operationen gegenüber den Vorteilen überwiegen", meint Univ. Prof.in Dr.in Maria Deutinger, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für plastische Chirurgie. "Es kann zum Verlust des Hautempfindens, zu Narbenschmerzen und narbiger Verziehung der Urethralöffnung kommen, mit Beeinträchtigung des Harnflusses", erläutert sie weiter. "Die Wissenschaft um weibliche Sexualität ist in vielerlei Hinsicht Neuland und liegt im Vergleich zur männlichen Sexualität etwa 15 Jahre zurück", macht Dr.in Elia Bragagna aufmerksam, ihrerseits Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Sexualmedizin. Denn schmerzende Narben, durchtrennte Nerven und Gefäße können die feinen Strukturen zerstören, die zwar für das Lustempfinden der Frau wichtig, in ihrer Bedeutung aber Frauen wie operierenden Ärzten häufig unbekannt sind.
Chirurgie ist kein Allheilmittel
Häufig wird auch der psychologische Hintergrund der Patientinnen nicht in die Beratung mit einbezogen, was fatale Folgen haben kann. Frauen mit gestörter Körperwahrnehmung, einer Krankheit, die auch als "body dismorphic disorder" (BDD) bezeichnet wird, kann keinesfalls chirurgisch geholfen werden. Sie müssen in jedem Fall psychologisch behandelt werden.
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Vor 4 Tagen


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